Die Rekrutierung für den Militärdienst in der Ukraine ist auf dem Höhepunkt. Zweimal im Jahr, im Herbst und im Frühjahr, müssen Männer in Rekrutierungszentren erscheinen, um ihre zivile Tätigkeit fortzusetzen oder ihren Militärdienst zu beginnen.

Im Herbst dieses Jahres am 2. Oktober, hat die Einberufungszeit zur Wehrpflicht begonnen und wird bis zum 30. November andauern. Acht Tage vor dem Ende der Einberufungswelle, am 22. November, gab das Ministerkabinett der Ukraine eine neue Anordnung bekannt, welche die Anzahl der Personen erhöht, die dem regelmäßigen Militärdienst unterliegen. Die Zahl der Einberufenen wurde so von 10.460 auf 12.460 Personen erhöht. Die Gründe für eine solche Änderung sind unklar. Am 28. Oktober und am 3. November gab es Razzien in einem Nachtclub und einem Partyviertel in Kiew und Lviv. Ungefähr 60 junge Männer wurden beschuldigt, sich dem Militärdienst entzogen zu haben und wurden so (illegal) in Militärbüros in beiden Städten gebracht. Bedeutet es für junge Männer im entsprechenden Alter, dass es nicht mehr sicher ist, draußen zu sein, selbst wenn Sie keine Gesetze brechen?

Am 28. Oktober wurde die Kiewer Diskothek, Jugendhub, durch Vertreter der Nationalen Polizei der Ukraine und anderen Menschen in Uniform, ohne Abzeichen gestürmt. Dies geschah etwa um 02.00 Uhr während einer Party. Der Veranstaltungsort selbst wurde abgesperrt, um die Gäste des Clubs davon abzuhalten, das Gebäude zu verlassen. Jugendhubs Mitbegründerin Anastasiia Spyrydenko sagte: "Sie [Militär und Polizei] begannen, unsere Taschen auszukippen, die Besucher zu schlagen und alle Männer auf Umgehung des Militärdienstes zu überprüfen, und einige Leute wurden auch weggebracht. Sie schlugen die Leute völlig grundlos - alle hatten Angst und leisteten keinen Widerstand. Die Polizei benutzte übermäßige körperliche Gewalt, es gab Blutflecken auf dem Boden. Persönliche Gegenstände [und] Kleidung wurde gestohlen". Die Polizei sagte, dass die Suche im Club "genehmigt" wurde und die Anlage ohne entsprechende Dokumente betrieben wurde. Sie sagten, dass die Suche nach wiederholten Beschwerden durch Nachbarn durchgeführt wurde. Darüber hinaus eröffneten sie ein Strafverfahren nach einem Gesetzesartikel, bezüglich der Organisation von Orten für den illegalen Konsum, oder der Herstellung von Drogen. Nach diesen letzten Aussagen kann die Suche der Polizei im Club gerechtfertigt sein. Es wurde jedoch keine ordentliche Anordnung erteilt, keine Anordnung, die es den Polizeivertretern erlaubte, die privaten Sachen der Besucher zu durchsuchen, ganz zu schweigen vom Machtmißbrauch und der Anwendung körperlicher Gewalt. Selbst die so genannten "Drückeberger" hätten nicht in die Rekrutierungszentren gebracht werden dürfen, da der Umgang mit ihnen konkrete Schritte beinhaltet, die nicht das Recht der Polizei oder des Militärs beinhalten, Männer gewaltsam zu den Militär-Einberufungsstellen zu bringen.

Es überrascht nicht, dass diese Aktion grosse Aufmersamkeit in den sozialen Netzwerken erregte und eine völlige Verwirrung unter den Menschen wegen der Unklarheit der Gründe für diesen Überfall verursachte. Die Verwirrung fing an zu schwinden, als sich die ähnliche Situation ebenfalls im anderen Teil der Ukraine, weniger als eine Woche später ereignete. Am frühen Morgen des 4. November blockierten rund 20 Militäroffiziere die Kryva-Lypa-Strasse in der Innenstadt von Lviv, einem beliebten nächtlichen Unterhaltungsviertel unter den jungen Leuten der Stadt. Sie forderten alle zur Wehrpflicht berechtigten jungen Männer auf, ihre Passdokumente vorzulegen. Laut der Studentin Sophia Halan, die den Vorfall gesehen hatte, hat die Polizei nur diejenigen gehenlassen, die Ausweise oder einen gültigen Studentenausweis vorlegen konnten. Die Militäroffiziere wollten auch in den Club "Paradox" eintreten. Dort gelang es ihnen diesmal jedoch nicht eine Durchsuchung durchzuführem, da die Clubsecurity ihnen nicht erlaubte, das Privateigentum zu betreten. Im Gegensatz zu dem Vorfall in Kiews "Jugendhub", wo die Polizei am 28. Oktober 17 Personen wegen des Besitzes von Drogen und weitere 32 Personen, die sich dem Zugriff entziehen wollten, festgenommen hatte, wurden alle in Lviv Verhafteten schnell freigelassen.

Interessanterweise, während der Militärdienst von Zusammenarbeit mit der Polizei spricht, sagte Sergei Knyazev, der Leiter der Nationalpolizei der Ukraine: "Unseriöse Militärkopien behaupten, dass sie die Polizei für die Rekrutierung der Armee mit Einbeziehen ... Ähnliche Aussagen sind feindliche Provokationen. Die Polizei greift nie in die Angelegenheiten der Armee ein".

Es ist immer noch schwer zu sagen, warum diese Ereignisse genau passierten, die Fälle werden noch untersucht und es gibt kein klares Datum, wann die Ergebnisse verfügbar sein werden. Die Annahme, dass eine bestimmte Taktik hinter den Aktionen des Militärs während der Einberufungswelle stehen könnte, erscheint jedoch schlüssig. Es scheint als wären die Rekrutierungsdienste nicht in der Lage dazu, die erforderliche Anzahl an Wehrpflichtigen zu rekrutieren.

Am 30. November wurde die letzte Einberufungswelle im Jahr 2017 beendet.


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http://www.fomoso.org/en/opinions/blog-en/from-nightclubs-to-military-are-men-safe-in-public-places-in-ukraine/

Über die Autorin:

B. Korohod studierte Geisteswissenschaften / Internationale Studien an der Universität-Leiden in den Niederlanden und absolvierte zusätzlich ein Praktikum in Kommunikation beim Finanzministerium der Ukraine. Derzeit studiert sie Politikwissenschaften an der Kiew-Mohyla-Akademie in der Ukraine

Teil-1:

https://ukraine-journal.de/aus-der-disko-zum-militar-wehrdienst-in-der-ukraine/