Ruhm der Ukraine! Ruhm den Helden! Tod den Feinden!

Die Schlachtrufe der 4.500 ukrainischen Soldaten und Soldatinnen hallten am 24. August, dem Tag der ukrainischen Unabhängigkeit, über die Paradestraße Kreshchatyk in der Hauptstadt Kyiv, in der auch die Militärparade anlässlich der Feierlichkeiten stattfindet.

Hinter ihnen folgen rund 300 Soldaten befreundeter Staaten, unter ihnen auch viele Truppen aus NATO-Mitgliedsstaaten.

Nur Minuten später rollen die motorisierten und mechanizierten Einheiten der ukrainischen Armee hinter dem Fußvolk und präsentieren ihr gesamtes Repertoire an todbringendem schweren Gerät, von Drohnen über Kampfpanzer bis hin zu ballistischen Raketen.

Flankiert wird dieses Spektakel von Überflügen der Luftwaffeneinheiten.
Jäger, Jagdbomber, Transporter, Kampfhubschrauber.

Das Publikum jubelt, der ukrainische Präsident Petro Poroschenko erklärt zu Recht die Abkehr der Ukraine aus der "Russischen Welt", einem Synonym zum Kolonialreich Moskaus, das während des Kalten Krieges bis an den Eisernen Vorhang reichte.

Ohne Zweifel war diese Parade zum Unabhängigkeitstag eine patriotische Machtdemonstration, nach innen und außen gleichermaßen. Das Signal nach Moskau, aber auch nach Berlin und Paris, ist eindeutig:
Wir haben auch Panzer. Wir schießen zurück. Wir sind nicht wehrlos.

Sicher, die russländische Förderation ist eine mit Kernwaffen ausgestattete Regionalmacht, die von einem Kreis von korrupten und völkischen Radikalen regiert wird, aber auch im Kreml weiß man mittlerweile um den Preis, einen verhältnismäßig gut gerüsteten Staat wie die Ukraine weiter zu erobern.
Sei es in Fracht 200 - gefallenen russischen Soldaten - oder in internationalen Sanktionen, allen voran durch die USA.

Manche Beobachter reibten sich die Augen. Sicher, die Modernisierung der durch den (pro-)russischen Autokraten Janukowytsch mutwillig abgerüsteten ukrainischen Streitkräfte ist nun seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges mit dem Verrat von Ilowajsk​- bei dem russische reguläre Truppen kapitulierende ukrainische Soldaten barbarisch und hinterrücks ermordeten - in vollem Gange, aber nachhaltige Früchte trugen die Reformen erst in den letzten zwei Jahren.

Zogen ukrainische Soldaten 2014 quasi auf Socken und mit von Freiwilligen gespendeter Ausrüstung an die Front, sind die ukrainischen Streitkräfte mittlerweile kampferprobt und haben modernes Equipment, unter anderem amerikanischen Javelin-Panzerabwehrwaffen, israelische Tavor-Sturmgewehre und eine Reihe einheimischer Drohnen zur Verfügung.

Dies hat zu einem neuen Status quo im Krieg zwischen Russland und der Ukraine geführt - einem Status, den zumindest Berlin offenbar realistisch einschätzt und akzeptiert: Gegen den Willen der Ukraine und gegen das Völkerrecht ist der Krieg Moskaus gegen die Ukraine nicht zu entschärfen.

Wurden in Minsk nach der Niederlage von Ilowajsk und Debalzewe noch - völkerrechtlich nicht bindende und offen verfassungswidrige - Abkommen geschlossen, die zwar zu einer Reduzierung des Artilleriefeuers russischer Truppen führten, die Ukraine aber zu einer Aufgabe der eigenen Souveränität in den besetzten Gebieten und der nationalen Politik gezwungen haben, ist von diesen Bedingungen nicht mehr die Rede.

Die deutsche Kanzlerin kommunizierte die vergifteten Vorschläge des Kreml an die ukrainische Präsidialverwaltung in der Bankova - und prompt erhielt Moskau die Abfuhr aus Kyiv. Ein eindeutiges Njet zu Moskaus Marionetten im ukrainischen Parlament.

Im Wesentlichen ist der neue Status quo ein Exempel gegen all jene Scheinpazifisten, die jahrelang entweder aus Naivität oder Nibelungentreue für Moskau gegen jegliche Unterstützung der von Russland überfallenen Ukraine agitiert haben.

Sicher, die Lage ist vor allem aufgrund der deutschen Finanzierung russischer Gasexporte und der Hoffnung auf den putinfreundlichen US-Präsidenten Trump nach wie vor prekär, aber größere Tatsachen wird der Kreml in Zukunft mit dem Blut russischer Soldaten bezahlen müssen und den Traum von separatistischem Einfluss in Kyiv kann er sich erstmal abschminken.

Ein Sieg für den Frieden und eine Niederlage für den Kriegstreiber Putin, der mit seit dem zweiten Weltkrieg ungesehener Aggression die Nachbarn wieder unterdrücken will.

Si vis pacem para bellum - wer Frieden will, muss sich auf den Krieg vorbereiten - ist nach wie vor eine Wahrheit, auch, wenn wir gerne vor der Logik tödlicher Gewalt die Augen verschließen.

Die Soldaten der Ukraine kämpfen für unser aller Frieden.


Über den Autor:
Raúl Wolfgang Bruning
Jahrgang 1995
Gelernter Kaufmann für Spedition & Logistikdienstleistung.

Engagiert sich seit 2014 aktiv in der Jungen Union, mit dem Schwerpunkt auf Außen- & Handelspolitik.