Den ersten Tag in Kyiv bin ich abends von meinem Hotel - zwischen dem ukrainischen Parlament und der ukrainischen Präsidentschaftsadministration in Richtung Khreshatyk und Innenstadt gegangen.

Der Weg führt unweigerlich über die Institutskaya, jene Straße, in der die Menschen tagtäglich Blumen, für die mehr als 100 von ex-Präsident Yanukovychs Spezialeinheit "Berkut" und nach neuesten Erkenntnissen auch von russischen Spezialkräften ermordeten, friedlichen Demonstranten niederlegen.

Ein Ort, der mich zu Tränen gerührt hat.
Beide meiner Heimatnationen, Deutschland und Spanien, haben das Glück einer mehr oder minder friedlichen Transition in die Demokratie genossen.

Dem ukrainischen Volk war dieses Glück trotz der außergewöhnlichen Standhaftigkeit und Solidarität, die die Ukrainer in Kyiv in den 94 Tagen des Euromaidans zeigten, nicht vergönnt.

Nach den monatelangen friedlichen Protesten, denen Schlägereien durch von der antiukrainischen "Partei der Regionen" bezahlte Schläger und korrupte Polizisten folgten, kam das Blutbad.

Yanukovychs und Putins Mörder richteten ein Massaker an, wie es Europa seit langer Zeit nicht gesehen hat. Dem folgte die Zeit der Trauer - und das Ende der faschistoiden, verbrecherischen und antiukrainischen Diktatur Yanukovychs mit dessen feiger Flucht nach Russland.

Erst mussten sie die im Gewerkschaftshaus von Kyiv ermordeten friedlichen Demonstranten begraben, dann die von Yanukovychs und Putins Schergen ermordeten Demonstranten an der Institutskaya und danach all jene Helden, die in der Verteidigung ihrer demokratischen Heimat gegen den russischen Angriffskrieg gefallen sind.

Viele von den Gefallenen sind junge Menschen, viele hatten Familie, Pläne, ein Leben vor sich.
Es bricht mir das Herz, die Bilder und Geschichten der Helden zu sehen und zu lesen.
Ihr Tod kann und darf nicht umsonst gewesen sein!

Keine andere europäische Nation hat diesen Blutzoll für ihren Weg in Richtung Demokratie und Freiheit zahlen müssen.

Dafür hat die Ukraine meinen größten Respekt und meine besten Wünsche für die Zukunft.

Ich glaube, die Ukraine kann den Weg zu den westlichen Idealen sehr wohl schaffen und wird ihn auch schaffen!

Хай Живе Вільна Україна...!


Über den Autor:
Raúl Wolfgang Bruning
Mitglied der Arbeitskreise "Europa" & "JUnge Migranten & Spätaussiedler" der Jungen Union Niedersachsen
Auszubildender zum Kaufmann für Spedition & Logistikdienstleistung