Russische Medien haben Äußerungen der litauischen Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite und des estnischen Außenministers Sven Mikser verzerrt, um den Eindruck zu erwecken, dass die EU um jeden Preis versucht, die Beziehungen zu Russland zu verbessern. Die gefälschten Artikel Geschichten ignorieren in ihrer Berichterstattung komplett die Gründe für die europäischen Sanktionen und die gegenwärtig „angespannten“ Beziehungen zu Russland, d. h. die völkerrechtswidrige Annexion der Krim und Russlands Stellvertreterkrieg in der Ostukraine.

Die Pro-Kreml Webseite Ukraina.ru veröffentlichte zuerst eine Fälschung mit einer Geschichte vom 24. Dezember 2017. Darin wird behauptet, dass die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaite gesagt hat: „Es ist besser, mit Russland zu kooperieren als zu kämpfen“. Ein paar Tage später setzte Ukraina.ru die Erzählung fort, in der behauptet wurde, dass sich nach Grybauskaite auch der estnische Außenminister Sven Mikser für engere Beziehungen mit Russland einsetze. Die Seite Argumenty I Fakty ging noch weiter und erklärte, dass Präsidentin Grybauskaite ihre Bereitschaft erklärt habe, mit Russland zu kooperieren, ohne dabei jedwede Forderungen zu stellen.

TASS, Ukraina.ru, RT, Rosbalt, RIA Novosti, Gazeta.ru, Rossiyskaya Gazeta, Life.ru, Argumenty I Fakty, Politikus, Versia.RU, RIA Novosti Ukraina, Politobzor, Argumenty.ru, Isvestia, Informburo.dn.ua und andere veröffentlichte verzerrte und manipulierte Versionen von dem, was die litauische Präsidentin und der estnische Außenminister tatsächlich gesagt haben.

In dem Interview mit der litauischen Website 15min, wurde Grybauskaite befragt, ob sie Russland im nächsten Jahrzehnt als größte Bedrohung Litauens ansehen würde.

Grybauskaite sagte, dass Russland wahrscheinlich in den kommenden Jahren schwierig bleiben wird und wenn der Präsidents des Landes derselbe bleibe, werde die Situation auch gleich bleiben. „Aber ich werde nicht nur mit meiner Hand winken und sagen, dass ich nicht [mit Putin, Anm. SF] reden will. Alles ändert sich, die geopolitische Situation ändert sich und deshalb müssen wir offen für Veränderungen sein“, betonte Grybauskaite.

Auf die Frage, ob die Zusammenarbeit mit Russland nach bestimmten Änderungen möglich sein könnte, sagte Grybauskaite, dass der Rückzug aus den gegenwärtig besetzten Gebieten in der Ostukraine, die Zusammenarbeit mit den Nachbarn Russlands ermöglichen würde. Gleichzeitig müsse Russland aber weniger aggressiv zu sein und weniger Muskelspiele durchführen. Zudem müsse Russland aufhören zu versuchen die Wahlen anderer Länder zu beeinflussen. Abschließend bemerkt Grybauskaite. „Es ist immer besser zu kommunizieren und zu verhandeln als zu kämpfen“.

Russische Medien ignorierten in ihren Berichten aber völlig die eben zitierten Äußerungen, die Präsidentin Grybauskaite zum Ausdruck gebracht hat und kamen zum Schluss, dass die baltischen Länder, die zuvor vor allem für ihre antirussischen Positionen bekannt waren, ihre Haltung gegenüber Moskau unerwartet revidiert hätten.

Der estnische Außenminister Sven Mikser wurde selbst von der russischen Nachrichtenagentur Interfax interviewt. Auf die Frage nach der Charakterisierung der estnisch-russischen Beziehungen erklärte Mikser, dass sowohl Estland als auch die EU an guten Beziehungen zu Russland interessiert seien. Um diese Beziehungen zu verbessern müsse aber die territoriale Integrität und Souveränität der Ukraine wiederhergestellt werden. „Wir können nicht einfach wegschauen, wenn Russland in der Ukraine gegen internationales Recht verstößt. Im 21. Jahrhundert wird kein demokratisches Land die gewalttätige Änderung von Grenzen anerkennen“, sagte Mikser und fügte hinzu, dass Estland sich zu EU-Sanktionen gegen Russland verpflichtet habe und nur Russland selbst die derzeitige Situation ändern könne.

Russische Medien ignorierten erneut die Details von Miksers Ansichten und konzentrierten sich nur auf seine allgemeine Prämisse, dass Estland und die EU an guten Beziehungen zu Russland interessiert sind.

Sven Mikser hat seine Position in mehreren aktuellen Interviews wiederholt und immer betont, dass die Normalisierung der Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Russland in erster Linie von Russland abhängt.


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