In sozialen Netzwerken und Foren, auch in einigen regionalen Medien, wurden falsche Nachrichten verbreitet, die Hass zwischen Ukrainern und Ungarn provozieren sollen. Darin ist zu lesen, dass angeblich ein 12-jähriger ukrainischer Junge von einer Gruppe von Ungarn in der Stadt Beregove in der Region Zakarpatia vergewaltigt und getötet worden sein soll.

Diese Nachricht erschien am 30. Oktober. Die Nachricht wurde aber bald nach der Veröffentlichung zusammen mit dem Profil des Nutzers, der sie veröffentlicht hat, gelöscht. Später erschienen die gleiche Nachricht in einem Politiko-Blog unter dem Benutzernamen Nadia Smereka. Was erste Zweifel an der Echtheit der Meldung aufkommen ließ, war die Tatsache, dass es um die einzige Veröffentlichung dieses Nutzers handelte.

Der Nutzer stellte sich als Mutter des Kindes vor, das angeblich „von einer Gruppe einheimischer Teenager aus einem der ungarischen Dörfer im Bezirk Mukachevo in der Region Transkarpatien getötet und gefoltert wurde“. Der Bericht besagt, dass ihr Sohn, ein 12-jähriger Junge, von Anwohnern ungarischer Herkunft brutal geschlagen und sexuell missbraucht worden sein soll. Unter den mutmaßlichen Tätern war der Sohn eines einflussreichen Mitglieds der ungarischen Gemeinschaft. Sie sagt, dass das Kind an den erlittenen Verletzungen gestorben sei. Nach Angaben der Frau weigerte sich die Polizei, eine Untersuchung einzuleiten und beschreibe den Tod des Kindes als Unfall. In diesem Post veröffentlicht sie ein Foto des angeblichen Dokuments, das ihr von der Polizei zur Verfügung gestellt wurde. In dem Bericht heißt es auch, dass alle lokalen Behörden im Dorf in den Händen der Ungarn liegen, so dass niemand die Täter bestrafen will.

All dies endet mit den Worten: „In Dörfern, in denen die Ukrainer in der Minderheit sind, verachten sie uns. Hier können wir uns ungestraft beleidigen lassen, verspottet werden; wir sind schutzlos vor Einzelpersonen, ohne Angst vor irgendeinem Gesetz oder Gericht… Warum erlauben wir den Ungarn, all das zu tun? Warum sind wir hilflos in unserem Zuhause, in unserer Heimat?“

Später wurden gleichlautende Nachrichten von den Seiten LiveUkraine, Journalisty Proty Koruptsii, MyNizhyn.com, und auch auf der Seite von Dynamo Kiew sowie anderen veröffentlicht. Einige rechtsradikale Splitter-Organisationen wie die UNA-UNSA haben diese Nachricht auch auf ihren Webseiten veröffentlicht.

Auffällig ist: Jedes Mal, wenn die Nachricht irgendwo auf einem Nachrichtenportal auftauchte, wurde sie von einem neuen Benutzer veröffentlicht, der zuvor nichts veröffentlicht hatte. So hat sich beispielsweise der Nutzer Mikola Shtur am 31. Oktober um 11:13 Uhr auf dem LiveUkraine-Portal registriert, eine Nachricht veröffentlicht und ist seitdem nicht mehr auf der Website erschienen.

Der Artikel wurde auch mit einem Foto eines toten Kindes veröffentlicht, dass sich in einem Sarg befindet. Rechts daneben eine offenbar weinende und in Schwarz gekleideten Frau. Wenn man nach dem Bild auf Google Images sucht, stellt man fest, dass das tote Kind auf dem Foto weder aus Transkarpatien kommt, noch von Ungarn getötet wurde. Sein Name war Viktor Shemyakin und er war 5 Jahre alt, als er 2010 auf der Krim starb. Er wurde von einem Dschihadisten der Organisation Hizb ut-Tahrir ermordet. Wir stellen hierbei fest, dass das Bild nichts mit dem angeblichen Mord in Transkarpatien zu tun hat.

Kurz nach der Verbreitung dieser Informationen verneinte die Generaldirektion der Nationalen Polizei in der Region Zakarpatia die Echtheit der Informationen über den Tod des Kindes und erklärte auch, dass das veröffentlichte Dokument gefälscht sei. Im Text des „Dokuments“ gebe es keine Identifikationsdaten: weder den Ort der Maßnahme noch die persönlichen Daten des Antragstellers. Darüber hinaus sind nach Angaben der örtlichen Polizei auch die Daten über die Registrierung des Dokuments falsch.

Es handelt sich also bei den Berichten über einen getöteten Jungen um eine gefälschte Meldung.

Es ist nicht das erste Mal, dass StopFake gefälschte Informationen über die ukrainisch-ungarischen Beziehungen entlarvt. Die meisten dieser Nachrichten wurden mit der Absicht verfasst den Hass zwischen Ukrainern und ihren Nachbarn zu provozieren.


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