Letzte Woche erklärte das russische Innenministerium, dass die Ukraine zu einem regionalen Führer für den Drogenhandel avanciert sei.

Kirill Smurov, der stellvertretende Direktor der Hauptdirektion für Drogenkontrolle des russischen Innenministeriums, kündigte an, dass die Ukraine nun einer der Haupteingänge für den europäischen Drogenhandel ist, eine „Tatsache“, die von den Vereinten Nationen und der Europäischen Union festgestellt werde. Smurov behauptet, dass Drogen über ukrainische Häfen und ihre westliche Grenze nach Europa und in die Russische Föderation gelangen. Ukrainische Bürger seien als Kuriere und Lieferanten tätig, sagte Smurov und organisiere die Untergrund-Produktion und den Vertrieb von Drogen in Russland.

Ukraina.ru, Izvestia, RBK, News.ru, Sputnik, TASS und andere russische Medien verbreiteten diese Fälschung ohne diese zu hinterfragen.

Das UN-Büro für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung, zeichnet in seiner neuesten Analyse der weltweiten Drogenmärkte, aber ein völlig anderes Bild. In dem Bericht wird festgestellt, dass die wichtigste Handelsroute für Heroin nach wie vor die so genannte Balkanroute ist, auf der Opiate aus Afghanistan in den Iran, die Türkei, in die Balkanländer und dann zu verschiedenen Zielen in West- und Mitteleuropa gehandelt werden.

Der Bericht stellt ferner fest, dass im Zeitraum 2012-2016 80 Prozent aller Vorfälle im Zusammenhang mit Heroin in Ländern entlang der Balkanroute stattfanden, während viel kleinere Mengen auf einer Route vom Iran in den Südkaukasus, hauptsächlich über Aserbaidschan und Georgien, zum Versand über das Schwarze Meer nach Westeuropa transportiert wurden.

Der UN-Bericht weist auch darauf hin, dass der größte Teil des im Jahr 2016 in Rumänien beschlagnahmten Heroins die Türkei und Bulgarien durchquert hatte.

Die jüngste UN-Drogenmarktanalyse stellt auch fest, dass der Drogenhandel in die Russische Föderation überwiegend auf der nördlichen Route über die Länder Zentralasiens oder über die Länder des Kaukasus stattfindet. Die Ukraine kommt nirgendwo auf dieser Route des Drogenhandels vor.

Laut dem Jahresbericht des ukrainischen Gesundheitsministeriums, der von der Drogen- und Alkoholüberwachungsstelle für das Jahr 2017 erstellt wurde, wurden 2016 zwar keine neuen Drogenhandelsrouten beobachtet, doch werde der Drogenhandel weiterhin über Netzwerke in allen an die Ukraine angrenzenden Ländern betrieben. Die Ukraine ist eine Transitzone, insbesondere für den Schmuggel von Kokain aus Lateinamerika und Europa, synthetische Drogen aus China und Methadon aus Belarus und Russland. Der ukrainische Bericht stellt auch fest, dass eine verstärkte Strafverfolgung zu einem leichten Rückgang des Handels mit afghanischem Heroin über die Balkanroute und die Seidenstraße geführt hat.

Dies ist nicht die erste drogenbezogene Fälschung, die von der russischen Propagandamühle erzeugt wird. Im Jahr 2017 entlarvte StopFake russische Behauptungen, dass die EU die Ukraine beschuldigt habe, Europa mit Heroin zu überschwemmen.


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https://www.stopfake.org/de/fake-ukraine-bekommt-einfallstor-fuer-drogen-nach-russland-und-europa/