Der britische Außenminister Boris Johnson hält es für falsch, Fußballmannschaften und Fußballfans mit einem Boykott der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland zu bestrafen. So haben führende russische Leitmedien Johnsons Worte über die bevorstehende Weltmeisterschaft in Russland wiedergegeben. In ihren Veröffentlichungen haben RT und Gazeta.ru die Worte des Außenministers Großbritanniens zitiert. Dabei haben Sie aber viele weitere, wir meinen interessantere Aussagen von Johnson komplett ausgespart.

Das Zitat von Boris Johnson in den russischen Medien stammt aus dessen Rede im britischen Parlament vom 21. März. Johnson widmete den Großteil seiner Rede den russisch-britischen Beziehungen sowie aber vor allem den Problemen zwischen beiden Staaten. Sein Kommentar zur Fußball-WM machte Johnson nach der Stellungnahme des britischen Labour-Abgeordneten Ian Austin, der sagte, dass ihn die Fußball-WM in Russland 2018 an die Olympischen Spiele von 1936 in Nazi-Deutschland erinnere.

Ian Austin im Original:
„Sie [die Russen, StopFake] haben das Recht erhalten, die WM durchzuführen, aber ganz offensichtlich durch Korruption. Putin wird die Fußball-WM genauso benutzen, wie Hitler die Olympischen Spiele 1936 benutzt hat. Die Vorstellung, dass Putin den WM-Pokal an den Kapitän des Siegerteams übergibt, erfüllt mich mit… Die Idee, dass Putin dies [die Weltmeisterschaft, StopFake] als PR-Übung nutzen wird um sein brutales und korruptes Regime zu verschleiern; für dass es verantwortlich ist, erfüllt mich mit Entsetzen“,

Boris Johnson wiederum stimmte in seiner Erwiderung den Aussagen von Ian Austin zu, wortwörtlich sagte Johnson:
„Ja, ich denke der Vergleich mit 1936 ist sicherlich richtig.“

Johnson sagte, dass es Putins Wunsch sei, sich bei dem Sportgroßereignis selbst in ein gutes Licht zu rücken. Dass dies wie bei Adolf Hitler 1936 sei „verursache bei ihm Brechreiz“, so Johnson. Auch ein britischer Diplomat sagte, Putin denke, berühmt zu werden und nach der WM in die Geschichte einzugehen, berichtet The Independent.

Die russischen Leitmedien haben aber über den Vergleich von Wladimir Putin mit Adolf Hitler und dessen Olympischen Spiele 1936 nicht berichtet und haben nur den letzten Satz von Boris Johnson Ausführungen präsentiert, dass es falsch sei, die Fußballfans und Fußballer zu bestrafen. Johnson fasste zusammen, dass es notwendig sei, mit Moskau über die Sicherheit britischer Bürger zu reden. Aber russische Kreml-Medien berichteten nicht über die Vorgeschichte der Aussage von Johnson und seine Zustimmung von Austins Äußerungen.

Die Fußballweltmeisterschaft 2018 findet vom 14. Juni bis zum 15. Juli in elf russischen Städten statt. Über einen möglichen Boykott der Fußball-WM diskutieren Polen, Island und einige andere Länder.

Der Protest steht im Zusammenhang mit einem schwelenden diplomatischen Skandal zwischen Großbritannien und Russland, der am 4. März begann. An diesem Tag wurden der ehemalige russische Spion Sergei Skripal und seine Tochter Julia, auf einer Bank im Salisbury Park bewusstlos aufgefunden. Nach der Premierministerin des Vereinigten Königreichs Theresa May wurden beide mit einem Nervenmittel vergiftet, das in der UdSSR im Rahmen des Projekts „Nowitschok“ entwickelt wurde. Großbritannien hat Russland beschuldigt für den Vorfall verantwortlich zu sein.


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