Das Projekt “Distributed Denial of Secrets” (DDoSecrets) hat geleakte Dokumente und Briefe aus Russland veröffentlicht, die laut Ankündigung Beweise für die russische Aggression gegen die Ukraine liefern. Der ukrainische Sender “Hromadske” hat über 100 Gigabyte an Informationen analysiert. Hier eine Zusammenfassung vom Ukraine Crisis Media Center:

Destabilisierung der Lage in der Ukraine 2014 bis 2016. In einem Teil der Briefe und Dokumente geht es um die Destabilisierung der Lage in mehreren ukrainischen Regionen in den Jahren 2014 bis 2016 durch Russland – vor allem in den Regionen Charkiw, Odessa, Dnipro, Saporischschja, Cherson und Mykolajiw. Aus dem Material geht hervor, dass Besitzer russischer E-mail-Adressen in jenen Regionen Personen angeheuert und bezahlt haben, um Aktionen und Kundgebungen durchzuführen, um Gruppen von Provokateuren in sozialen Netzwerken aufzubauen, um gesellschaftliche Organisationen unter patriotischen Bezeichnungen und Slogans zu schaffen, um bezahlte Artikel in ukrainischen Medien zu platzieren und um eigene kleine Informationsquellen einzurichten. Für jede Aktion gab es ein Budget und einen Bericht. In den Briefen taucht die gesellschaftliche Organisation “Kolokol” auf, die laut Register juristischen Personen von Jurij Kowaljow geleitet wird, der in der Stadt Hluchiw in der Region Sumy lebt.

Die Analyse des Materials ergab ferner, dass die E-mail-Box “viktor_vinogr@mail.ru” wahrscheinlich Inal Ardzinba zuzuordnen ist. Er ist Stellvertreter von Wladislaw Surkow, dem persönlichen Berater des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Demnach soll Ardzinba beispielsweise die autonomistischen Projekte “Sloboschanschtschina”, “Porto-Franco”, “Volksrepublik Bessarabien” und “Volksrat Nikolajew” finanziert haben. Mit seiner Unterstützung wurden auch Gruppen organisiert, die sich eine Änderungen der Verfassung der Ukraine zum Ziel gesetzt hatten.

Die selbsternannten Republiken. Die Hacker sind auch an E-Mails des Besitzers der Box “igo-strelko_yandex_ru.mbox” gekommen. Sie könnte Igor Strelkow gehört haben, der mehrere Monate lang bewaffnete Einheiten im ostukrainischen Slowjansk angeführt hatte. Später führte er die sogenannten “Kräfte der Volksmiliz” in Donezk und später die sogenannte “Armee” der selbsternannten “Volksrepublik Donezk” an. In Briefen berichtet er über seine engen Beziehungen zu dem selbsternannten Anführer der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim, Sergej Aksjonow. Geleakt wurden auch E-Mails, die von Mitarbeitern des sogenannten “Ministeriums für Informationspolitik” der selbsternannten Republiken stammen könnten. Darin verbieten die “Behörden” die Ausstrahlung ukrainischer Fernsehsender. Darüber hinaus wurden Briefe des Anführers der selbsternannten “Volksrepublik Donezk”, Denis Puschilin, an die Administration von Wladimir Putin gefunden, in denen er um humanitäre Hilfe bittet. Gefunden wurden auch Briefe an den Patriarchen der Russischen Orthodoxen Kirche, Kirill, mit der Bitte, sich zu treffen und über den Schutz von Vertretern der selbsternannten Republiken durch die Kirche zu sprechen.

MH-17-Katastrophe. Gefunden wurden auch Briefe, die möglicherweise von Tetjana Jegorowa stammen, der Sprecherin der selbsternannten “Volksrepublik Donezk”. Bei ihr gingen Briefe von Medienvertretern aus verschiedenen Ländern ein, in denen um eine Akkreditierung gebeten wurde. Darin wird die MH-17-Katastrophe erwähnt, aber auch das Monitoring der Nachrichten in den Medien und die Kommunikation mit dem niederländischen Experten für Kriegsverbrechen, Max van der Werff.

Die russische Armee und die Operation “Troja”. Geleakt wurde auch ein Ordner mit dem Namen “MIL DOCUMENTS” – Dokumente des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation. Neben der Dislozierung von Militäreinheiten, Stützpunkten und Berichten über Übungen enthält es das Dokument “Operation TROJA”. Darin geht es um eine Destabilisierung der Lage in der Region Saporischschja sowie um die Besetzung der ukrainischen Städte Melitopol, Berdjansk, Wasyliwka und Saporischschja. In dem Plan heißt es: “Die Gestaltung der Technik und der Uniformen der Kämpfer sind an die ukrainischer Patrioten angelehnt, aber es wird ein neuer Name für die Einheit erfunden, zum Beispiel KARPATY”.

Diskutiert werden auch weitere Pläne zur Eroberung anderer Regionen: “Wenn gleichzeitig solche Operationen auch in Odessa und Charkiw umgesetzt werden, dann erhalten wir die vollständige Kontrolle über die Seeküste und dann kann alles, was notwendig ist, ungehindert fließen.” Dies würde, so der Plan, in einem relativ kurzen Zeitraum zur vollständigen Vernichtung der ukrainischen Armee führen. “Dies wird praktisch ungehindert die Übernahme der Kontrolle über die Regionen Cherson und Mykolajiw ermöglichen”, so der Plan. Er sollte in mehreren Etappen umgesetzt werden – mit der Blockade von Straßen und Seewegen, mit der Tarnung der Armee, begleitet von Medienberichten, mittels Bestechung von Behördenvertretern usw. Im April 2018 hatte die britische Zeitung “The Times” unter Berufung auf zuvor veröffentlichte geleakte Dokumente aus der Administration des russischen Präsidenten detailliert über diese Operation berichtet.


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