Der Chefredakteur des Wochenmagazins "Nowoje Wremja", Vitaliy Sych, hat erklärt, dass seine Redaktion wegen eines Artikels über die Korruption im Verteidigungssektor Drohungen von Leuten ausgesetzt war, die dem Volksfrontabgeordneten Serhiy Paschynskij und dem Verteidigungsministerium nahe stehen.

"Heute kamen Paschynskijs Anwälte ohne Vorwarnung in mein Büro, um eine Lösung vorzuschlagen. In einer eher höflichen Form und mit einem Lächeln (ich werde sie jetzt nicht nennen), sagten sie, dass sie die "Nowoje Wremja "zerreißen" wollen, aber es gäbe auch noch eine andere Möglichkeit. Ich fragte sie, was sie unter "zerreißen" verstehen und ob es sich um eine physische Aktion handelt. Sie antworteten, dass wir es später verstehen würden und dass die Menschen dort sehr emotional sind. Dann haben sie klargestellt, dass sie Menschen im Verteidigungsministerium meinen. Das Verteidigungsministerium und das Gefolge von Paschynskij im Parlament. Es hat sich herausgestellt, dass die friedliche Möglichkeit der Problemlösung wäre, den vollen Text eines vorgefertigten mehrseitigen Artikels über Paschynskij in der Zeitschrift zu veröffentlichen. Außerdem erhielt ich ein Schwarz-Weiß-Foto von Paschynskij, welches ich auf Nachfrage auch in Farbe bekommen würde, ich müsste das Foto dann als Teil einer Entschuldigung auf der Titelseite abdrucken. Ich erhielt auch die persönliche Telefonnummer von Paschynskij mit dem Vorschlag, dass ich ihn anrufen und einen persönlichen Kontakt aufbauen sollte", berichtet Sych auf Facebook.

"In den letzten Jahren wurden wiederholt Vorwürfe gegen mich erhoben. Ich musste mich mehrmals beim NABU und der PGO melden. Aber der "Nowoje Wremja" - Artikel über die millionenschwere Korruption, die ich angeblich bei der Lieferung von militärischer Ausrüstung zugelassen hatte, stellt nicht nur für mich ein Problem - , sondern auch für die nationale Sicherheit dar. Ich habe die Anschuldigungen der "Nowoje Wremja" - Journalisten erschöpfend kommentiert, aber kein einziges Wort meiner Kommentare wurde in den Texten wiedergegeben, und nach der Veröffentlichung der Zeitschrift tat ich zwei Dinge: Ich habe eine Sitzung des Ausschusses für nationale Sicherheit und Verteidigung eingeleitet, weil die Vorwürfe der Korruption in Millionenhöhe eine Angelegenheit der nationalen Sicherheit sind, und ich habe der Redaktion der "Nowoje Wremja" im Rahmen des geltenden Gesetzes gebeten, meine Antwort zu veröffentlichen. Mein Anwalt Wolodymyr Rakow hat meinen Brief zur Redaktion gebracht, ich kann dabei keine Bedrohung erkennen, wenn Vitaliy Sych bedroht wurde, ist dies eine Straftat, wenn Herr Sych meine berechtigten Forderungen als Drohung ansieht und wenn Herr Sych sicher ist, dass er im Recht und bereit für einen Prozess ist, würde ich gerne, an Herrn Sych eine Erklärung schreiben", sagte Paschynskij in einem Kommentar.

Auf die Frage, ob sein Anwalt ein Bild Paschynskijs an Vitaliy Sych mit der Forderung überbrachte, es auf die Titelseite der nächsten Ausgabe zu bringen, sagte der Abgeordnete: "Mein Anwalt brachte einen Brief, in dem er meine Position darlegte, und natürlich ein Foto, wenn Sie einen Artikel über Jemanden veröffentlichen, werden Sie ein Foto dieser Person veröffentlichen, nicht wahr? Eine Widerlegung der Beschuldigungen, gemäß unserem Gesetz, sollte an derselben Stelle veröffentlicht werden, wo auch die Beschuldigungen veröffentlicht wurden", fügte Paschynskij hinzu.

Der Ausschuss für nationale Sicherheit und Verteidigung, der über diesen Konflikt voraussichtlich diskutieren wird, ist für den 18. April in Kiew geplant. Vertreter des Verteidigungsministeriums, Ukroboronprom, des NABU, der SAPO und Nowoje Wremja​ -Chefredakteur Vitaliy Sych sind dazu eingeladen.