Am 28. Dezember schloss die Polizei das Verfahren wegen der Ermordung eines ökologischen Aktivisten aus dem Dorf Eschar in der Region Charkiw, namentlich Mykola Bychko, der am 5. Juni in Tschuhujiw erhängt aufgefunden wurde.

Dies wurde von Tetyana Pechonchyk, Vorsitzende des Menschenrechts-Informationszentrums auf Facebook, gemeldet.

Ihrer Meinung nach entschied die Polizei, dass der Junge Selbstmord begangen hatte, obwohl einige Fakten darauf hinweisen, dass es sich um einen Mord im Zusammenhang mit Bychkos "sozialen Aktivitäten" handelte.

Bychko beobachtete in regelmäßigen Abständen die Situation an den dortigen Abwasseranlagen.

"Mykola war sich sicher das in das System für die Lagerung von häuslichem Abwasser, für mehr als ein Jahr Industrieabfall gegossen wurde. Die Luft und ein Fluss sind verseucht" , so Pechonchyk.

Ihrer Meinung nach hat der Junge alles fotografiert, was in der Nähe der Abwassereinrichtungen passiert war. Dann fuhr er zum Fluß, sammelte Wasser und kehrte durch den Wald auf die Straße zurück.

"Nach einer diesen Reisen kehrte Mykola nicht zurück. Am nächsten Tag, wurde er in einem Wald erhängt aufgefunden. Zwei Kilometer von den Kläranlagen entfernt. Neben seinem Körper lag sein Fahrrad und eine Flasche Wasser", berichtet Pechonchyk.

Laut Pechonchyk haben Ermittler der Tschuhujiwer Polizeiabteilung nicht die notwendigen Schritte unternommen, um den Mord an Bychko zu untersuchen.

"Laut seinem Rechtsanwalt Roman Likhachev, gab es während des ersten Monats fast keine Untersuchungen, wichtige Beweise gingen verloren, Dokumente für die Untersuchung wurden etwa einen Monat nicht angefertigt und eine Verfahrenshandbuch für die formelle Untersuchung wurde nicht übermittelt".

Insbesondere wurde während der Ermittlungen durch die Polizei sogar das Seil von dem Baum entfernt, an dem der junge Mann erhängt aufgefunden wurde. Das Hauptbeweismittel verschwand, Fingerabdrücke konnten so nicht sicher gestellt- und der mögliche Mörder nicht ermittelt werden.

"Dann verschwand das Seil. Die Rinde des Baumes, an dem Bychko erhangen gefunden wurde, hatten Unbekannte versucht zu entzünden", berichtet Pechonchyk weiter.

Die Staatsanwaltschaft des Gebiets Charkiw habe bei der Inspektion des Vorfallortes , Verstöße gegen die Strafprozessordnung durch die Ermittler festgestellt und erklärt, dass die Ermittler eine Disziplinarstrafe erhalten haben. Die wichtigsten Beweise sind jedoch für immer verloren gegangen.

Darüber hinaus wurde der Computer von Bychko ohne gerichtliche Anordnung beschlagnahmt, obwohl dessen Anwalt darauf bestand, eine Kopie der dort gespeicherten Dateien anzufertigen, damit die Polizei keine Informationen zum angeblichen Suizid "hinzufügen" konnte.

"Es ist eine Frage, der Art und Weise, wie Mykola angeblich selbst erhangen aufgefunden wurde. So hatte er unter anderem eine gebrochene Nase", erklärt Pechonchyk.

Später wurde der Anwalt, der die Ermittlungen kritisiert hatte, gar von dem für ihn bekannten Fall ausgeschlossen.

Einwohner des Ortes veranstalteten regelmäßig Kundgebungen im Zentrum von Eschar und forderten vom Polizeipräsidium von Tschuhujiw öffentliche Berichte über den Fortschritt der Ermittlungen an.

Zur gleichen Zeit versuchten Unbekannte, die Verbreitung von Informationen über den Fall Bychko zu blockieren. So verschwanden im Dorf Eschar Berichte über das Zusammentreffen der Dorfbewohner, und als Folge wussten weniger Menschen über die durchgeführten Aktionen Bescheid und forderten keine Untersuchung.

Pechonchyk berichtet weiter, dass die vorläufige Untersuchungskommission der Werchowna Rada, die sich mit dem Problem der Angriffe auf öffentliche Aktivisten befasst, Anfang nächsten Jahres in die Region Charkiw reisen- und insbesondere den Fall Bychko untersuchen wird. Ob dies zu neuen Ermittlungsergebnissen führen wird, bleibt allerdings fraglich.


Foto:
FACEBOOK/TETYANA-PECHONCHYK