Russland steckt in einem tiefen Sumpf. Es sinkt in diesen Sumpf immer tiefer ein.
Die Frage von Selbstverständnis bleibt am Anfang der Moral stecken. Es ist eine Tatsache, das ein angeborener Trieb zur Selbstzerstörung die Grundlage des Handelns in Russland bestimmt. Ein ständiger Anachronismus der sich auch im äußeren Handeln gegenüber den Nachbarn zeigt.

Auf der Suche nach den Schuldigen für das eigene Versagen wird alles in Anspruch genommen derer man habhaft werden kann. Umso die eigenen Fehler zu entkräften und vor sich selbst zu entschuldigen. Ein Teufelskreis seit über Hunderten von Jahren. Es ist ein immer währender Kreislauf, der sich um sich selbst dreht.

Das Selbstwertgefühl der russischen Menschen scheint davon bestimmt zu sein, das eigene Versagen als ein Versagen der Anderen zu sehen. Denn die Ironie an der Sache ist, dass es nicht nur um einen Zufall handelt. Es ist beabsichtigt und ein russisches Lebensgefühl, das sich aus der Vergangenheit bis in die heutige Gegenwart weiter fortsetzt. So existierte Russland seit der Zarenzeit über die Jahrhunderte hinweg, dem eigenen Selbstlauf ergeben. Erst mit der bolschewistischen Rebellion, durch Lenin und Stalin geprägt, veränderte sich für eine kurze Zeit dieser Status.

Aber der Selbstlauf und wie man so sagt die Ironie des Schicksals, bleibt dem russischen Volk nicht erspart. Denn es muss weiter bluten für die Willkür der Mächtigen. Ob zuerst der Zar, später die Bolschewiken und heute Putin. Es bleibt unverändert in der Endkonsequenz. Es ist die russische Welt, die uns Westeuropäer und somit auch Deutschen ein ewiges Rätsel zu sein scheint. Fast, wie ein gordischer Knoten, der nicht zu öffnen ist. Viele versuchten sich in der Vergangenheit und der Gegenwart, ein klägliches Scheitern war die Folge.

Es geht darum aufzuzeigen, wie negativ sich alle Versuche die russische Weltsicht in die westeuropäischen Länder zu tragen, auswirken. Dabei werden alle Mittel, der Vorteilsnahme, benutzt. Desinformation in der westeuropäischen Öffentlichkeit, politisch Unterhöhlung der liberalen Gesellschaftsformen in Westeuropa mit dem Ziel der Beseitigung der Gesellschaftssysteme in den einzelnen Ländern Europas. Dieses aggressive Verhalten Russlands wurden bei uns in Westeuropa jetzt erst so richtig bemerkt.

Ein gewisses Erstaunen und der Schreck fuhr uns in die Glieder. Selbst Deutschland, dass nach außen so stabil wirkt, wird davon ergriffen. Es scheint mir als ob wir Deutschen, stellvertretend gesehen für Westeuropa, wie angezählte Boxer taumelnd zu Boden gehen. Aber es bleibt uns die Chance wieder aufzustehen. Zurzeit bewegen wir uns in einer Lockerungs- und Aufwärmphase. Es bleibt uns die Chance den Knock-out zu vermeiden. So ist bei aller Begriffsstutzigkeit des politischen Establishments doch die Möglichkeit geblieben, den Zerfall unserer liberalen Gesellschaftsordnung, nach einer über siebzigjährigen Friedensperiode in Europa noch abzuwenden.


Gastkommentar von:
Igor Casimir Bröse