Einige hundert Anhänger von Mikheil Saakaschwili haben am Sonntag versucht den ehemaligen Oktober-Palast in Kiew zu stürmen.
Der Artikel wurde aktualisiert. Stand:17.12.2017 - 23:30Uhr.

Im Zentrum Kiews hatten zuvor mehrere Tausend Menschen für eine mögliche Amtsenthebung des ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko demonstriert. Die Kundgebung, wurde von Mikheil Saakaschwili angeführt. Laut Behördenangaben nahmen an der Demonstration etwa 2000 Menschen teil.

Als der Grossteil der Saakschwili-Anhänger sich zum internationalen Zentrum für Kultur und Kunst (ehemaliger Oktober-Palast) begeben hatte, kam es zu Ausseinandersetzungen mit der Polizei die das Gebäude des Kulturzentrums, in dem gerade ein Konzert stattfand, schützen wollte.

Dabei schleuderten Demonstranten Backsteine, Knallkörper und und mehrere Rauchbomben gegen den ehemaligen Oktober-Palast. Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein. Einigen Demonstranten gelang es im Verlauf der Ausseinandersetzungen in das Gebäude einzudringen, grösserer Schaden wurde allerdings nicht von den Personen angerichtet.

Botschafter von Kanada und Großbritannien verurteilten die Aktionen der Demonstranten vor Oktober-Palast

Kanadas Botschafter in der Ukraine Roman Waschuk, verurteilte die Aktionen der Teilnehmer vor und im ehemaligen Oktober-Palast.

"Versuche, öffentliche Gebäude zu besetzen und zu zerstören, sind ein Missbrauch des Rechts auf einen friedlichen Protest", so Waschuk bei Twitter.

Seine Meinung wurde von der britischen Botschafterin in der Ukraine Judith Gough unterstützt.

"Ich stimme völlig zu", fügte Gough hinzu.

Saakschwili: "Demonstration muss friedlich bleiben"

Mikheil Saakaschwili sagte in einer ersten Stellungnahme, dass die Demonstration hätte friedlich bleiben müssen.

"Als ich sah, dass die Auseinandersetzungen begannen... Ich habe keine Angst vor Zusammenstößen, aber nicht im Zentrum von Kiew. Das ist nicht unsere Art. Ich glaube wirklich, dass dies friedlich gelöst werden kann". Saakaschwili versuchte die Demonstration nachfolgend wieder zum Parlament zu leiten, allerdings folgtem ihm vorerst nur wenige Unterstützer.

Infolge der Ausschreitungen mehrte sich die Kritik an den Demonstranten, aber auch an Saakaschwili selber.

So schrieb der ukrainische Parlamentsabgeordnete und Mitinitiator des Euromaidan Mustafa Najem bei Facebook:

"Ich verstehe die unzufriedenen Bürgerinnen und Bürger. Alle Gesellschaftsschichten sind unter Ihnen verteten. Aber warum der Sturm des Oktober-Palasts nötig war, unverständlich. Für einen friedlichen Protest der Bürgerinnen und Bürger ist so etwas bedeutungslos. Diese Maßnahmen untergraben die Glaubwürdigkeit der Protestbewegung.

Die bekannte ukrainische Journalistin Kateryna Kruk, kritisierte Mikheil Saakaschwili direkt für die Vorkommnisse.

"Es ist einfach lächerlich. Zuerst befiehlt Saakaschwili, ein Hauptquartier des Widerstands im Oktoberpalast in Kiew zu organisieren. Seine Anhänger gehen und stürmen das Gebäude. Ein paar Stunden später behauptet Saakaschwili, er habe weder befohlen, das Gebäude zu stürmen, noch dort ein Hauptquartier zu errrichten.
Ehrlich, ich bin diesen Mann leid".

Die ukrainische Polizei eröffnete unterdessen zwei Strafverfahren, wegen dem "Versuch, die staatlichen oder öffentlichen Gebäude oder Strukturen zu besetzen", sowie wegen "Drohungen oder Gewalt gegen Strafverfolgungsbeamte". Insgesamt wurden 60 Einsatzkräfte bei den heutigen Zusammenstössen verletzt.