Die ukrainische Polizei hat eine Morduntersuchung eingeleitet, nachdem in einem Fluss in der Hauptstadt Kiew die Leiche einer Rechtsanwältin welche zugleich als Menschenrechtsaktivistin aktiv war, gefunden wurde.

Iryna Nozdrovska, 38, wurde seit dem 29. Dezember vermisst. Sie hatte am Mordfall ihrer Schwester gearbeitet, die im Jahr 2015 bei einem Autounfall getötet wurde, wobei das Auto vom Neffen eines Kiewer Richters gefahren wurde.

Der Fahrer, Dmytro Rossoschansky, wurde im Mai 2017 für sieben Jahre inhaftiert. Danach hatte Iryna Nozdrovska angeblich regelmäßig Drohungen von ihm und seiner Familie erhalten.

Die Leiche der Rechtsanwältin wurde im Bezirk Wyschhorod, einem nördlichen Vorort von Kiew, gefunden. Die Polizei dort hatte am 30. Dezember einen Facebook- Hinweis über sie veröffentlicht.

In einem Facebook-Post berichtete der ukrainische Abgeordnete Mustafa Nayyem, der Vater von Rossoschansky habe Frau Nozdrovska bereits während einer Berufungsverhandlung am 27. Dezember bedroht. Laut Herrn Nayyem lautete die Drohung: "Sie werden ein "nasses" Ende finden".

Rossoschanskys Anwalt konnte dessen Verurteilung am Mittwoch nicht aufheben.

Rossoschansky stand unter Drogen oder Alkohol, als sein Auto im September 2015 auf Frau Nozdrovskas Schwester, die 26-jährige Svitlana Sapatinskaya, mit hoher Geschwindigkeit prallte.

Derzeit untersucht die Polizei den Mordfall. Nozdrovska soll laut einem Polizeisprecher nicht bei der Polizei wegen der mutmaßlichen Mordrohungen vorstellig geworden sein.

Zugleich werden der Polizei grosse Versäumnisse vorgeworfen. Laut der zivilgesellschaftlichen Gruppe namens Tverdynya (Festung) habe die Polizei Frau Nozdrovska nur unzureichend nach den ausgesprochenen Drohungen geschützt.


"Tverdynya" appellierte auf Facebook an die Menschen, sich am Dienstag vor dem Polizeipräsidium zu versammeln , um "den Mörder oder die Mörder" zu finden und die junge Tochter von Frau Nozdrovska zu schützen. Viele Menschen waren dem Aufruf gefolgt. Die Kiewer-Polizei steht nun unter erheblichen Zugzwang.

Außenminister: Der Mord an Nozdrovska ist eine Herausforderung für den Staat

Die Ermordung der Rechtsanwältin sei eine Herausforderung für den Staat und ein Test für die Gesellschaft, so der ukrainische Außenminister Pavlo Klimkin.

"Die Situation mit häuslicher Gewalt und der Rolle von Frauen in der Politik hat sich noch nicht grossartig geändert. Der Mord an Nozdrovska ist eine Herausforderung für den Staat und ein Test für die Gesellschaft auf die Fähigkeit Aktivistinnen zu schützen, Gerechtigkeit im Allgemeinen und die Möglichkeit dies auch sicherzustellen", schrieb Klimkin am Dienstag, bei Twitter.

Laut dem ukrainischen Innenminister Arsen Avakov, wird der Chef der ukrainischen Polizei nun persönlich die Kontrolle über den Mordfall übernehmen.