Schützenpanzer, gepanzerte Transportwagen, militärische Geländewagen, Tankwagen und Anhänger gehörten zu den rund 200 Objekten, die von der ukrainischen Polizei beschlagnahmt wurden, nachdem sie online zum Verkauf angeboten wurden.

Wjatscheslaw Peschenenko, regionaler Polizeichef der Region Schytomyr, sagte am 27. März, dass die Fahrzeuge vor zwei Wochen von der Polizei entdeckt wurden, als sie eine kaputte Ölleitung in der Stadt Nowohrad-Wolynskyj untersuchten.

Die militärischen Fahrzeuge wurden diese Woche bei Razzien von Offizieren und lokalen Militärstaatsanwälten beschlagnahmt. Die Polizei sagte, die Fahrzeuge wurden im Internet zum Verkauf angeboten.

Laut dem Polizeichef, werde "ab sofort der Ursprung der Ausrüstung untersucht, einschließlich der Registrierung bei Militäreinheiten".

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In Nowohrad-Wolynskyj ist das Hauptquartier für mehrere ukrainische Militäreinheiten, die dem Operationskommando Nord unterstellt sind, darunter die 30. Mechanisierte Brigade, das 12. Operationsunterstützungsregiment und das 54. Spähtruppbataillon.

Die Beschlagnahmung der Militärfahrzeuge und -ausrüstungen hat in ukrainischen Verteidigungskreisen einen Skandal ausgelöst und die Aufmerksamkeit auf einen undurchsichtigen Online-Marktplatz gelenkt, auf dem Ausrüstungen von den Schlachtfeldern der Ostukraine an Zivilisten zum Verkauf angeboten wurde.

Es ist immer noch unklar, ob die beschlagnahmte Militärausrüstung von einer dieser Einheiten stammt. Die Polizei konnte nicht sagen, wo die militärischen Gegenstände ausgeschrieben worden waren.

Die Ukraine hat in den vergangenen vier Jahren viel Zeit und Geld investiert, um ihr einst dezimiertes Militär zu modernisieren. Jeder Hinweis darauf, dass es in Korruption verwickelt sein könnte oder dass Technologie oder Ausrüstung aus seinen Depots auf illegale Art und Weise gelangen konnte, ist äusserst unangenehm.

Der ehemalige Sprecher der Militäroperation in der Ostukraine, Andriy Lysenko, der jetzt ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft ist, behauptete, die Polizeiinformationen seien "unwahr", die Ausrüstung sei bereits "entmilitarisiert" worden.

"Tatsächlich handelt es sich bei den fraglichen Ausrüstungsgegenständen weder um Kampf, noch um Militärausrüstung", schrieb Lysenko auf Facebook.

Auch der Präsidentenberater Yuriy Biriukov reagierte mit Empörung. In einem Beitrag auf Facebook nannte Biriukov die Berichte "Fake News" und die Autoren der Meldung "gewöhnliche Lügner, die sich über gefälschte Nachrichten freuen, zusammen mit denen, die unsere Armee zerstört haben". Biriukov fügte hinzu, dass sie "schlimmer als der Feind seien".

Laut Biriukov, handelt es sich bei den Fahrzeugen eher um militärische Überschüsse, die von Zivilisten gekauft wurden, nachdem die damalige Ministerpräsidentin Julija Tymoschenko, die nun führende politische Gegnerin von Präsident Petro Poroschenko ist, im Jahr 2008 ein Regierungsdekret unterzeichnet hatte.

Die Polizei von Schytomyr berichtet derweil, dass sie daran arbeite, den Ursprung der Ausrüstung aufzuspüren. Der Fall wird so behandelt als handele es sich dabei um offizielle Veruntreuung und Machtmissbrauch, deren Strafe zwischen drei und acht Jahren Haft betragen kann.