Der ukrainische Generalstaatsanwalt Yuriy Luzenko berichtete gegenüber John Solomon vom US-amerikanischen TV-Sender "Hill.TV" in einem Interview, das am Mittwoch ausgestrahlt wurde, die US-Botschafterin in der Ukraine, Marie Yovanovitch, habe ihm bei seiner ersten Sitzung eine spezielle Liste der strafrechtlichen Verfolgung übermittelt.

"Leider hat [Yovanovitch] mir bei dem ersten Treffen mit der US-amerikanischen Botschafterin in Kiew eine Liste von Personen zur Verfügung gestellt, die wir nicht strafrechtlich verfolgen sollen", sagte Luzenko, der 2016 seinen Posten antrat.

„Meine Antwort darauf ist, dass es unzulässig ist. Niemand in diesem Land, weder unser Präsident noch unser Parlament oder unser Botschafter, wird mich daran hindern, strafrechtliche Verfolgungen einzuleiten, wenn es ein Verbrechen gegeben hat“, so Luzenko.

Das US-Außenministerium betitelte Luzenkos Behauptung daraufhin, als "eine reine Fabrikation".

"Wir haben die Berichte über die Vorwürfe gesehen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums gegenüber Hill.TV.

"Die Vereinigten Staaten leisten derzeit keine Unterstützung für das Generalstaatsanwaltschaftsbüro (PGO) der Ukraine, wir haben jedoch zuvor versucht, die grundlegende Reform des Justizsektors, einschließlich der PGO, nach der Revolution der Würde von 2014 zu unterstützen. Als der politische Wille für eine echte Reform in der Ukraine durch aufeinanderfolgende Generalstaatsanwälte fehlte, haben wir unsere treuhänderische Verantwortung gegenüber dem amerikanischen Steuerzahler ausgeübt und die Unterstützung an produktivere Projekte umgeleitet".

Luzenko sagte diesbezuglich, dass er keine Gelder in Höhe von fast 4 Millionen US-Dollar erhalten habe, die die US-Botschaft in der Ukraine seinem Büro zuweisen wollte, "die Situation war eigentlich ziemlich seltsam", die versprochenen Geldmittel "wurden nie übermittelt".

"Tatsächlich bekamen wir von der US-Botschaft einen Brief des Botschafters, dass das Geld, von dem wir sprechen, unter der vollen Kontrolle der US-Botschaft stand und dass die US-Botschaft keine rechtliche Beurteilung dieser Tatsachen verlangt. Die Situation war eigentlich ziemlich seltsam, weil die Mittel, über die wir sprechen, welche auch für das Büro des Generalstaatsanwalts bestimmt waren, uns niemals erreicht haben, die US-Botschaft antwortete nur, es gab keine Probleme bei der Geldübersendung", berichtet Luzenko weiter.

Welche diplomatischen Folgen die brisanten Aussagen des ukrainischen Generalstaatsanwalts haben werden, bleibt abzuwarten.