Auf dem YouTube-Kanal des ukrainischen Antikorruptionsprojekts “Bihus.Info” ist der erste Teil eines in Israel aufgezeichneten Interviews mit dem Oligarchen Ihor Kolomojskyj erschienen, der mit dem Sieger der ukrainischen Präsidentschaftswahlen Wolodymyr Selenski in Verbindung gebracht wird.

Kolomojskyj steht in einem offenen Konflikt mit dem derzeitigen Präsidenten Petro Poroschenko. Hier die wichtigsten Thesen des in Ungnade gefallenen Oligarchen:

Über die Präsidentschaftswahlen: “Wir haben einen Selenski-Fanclub. Bei den Präsidentschaftswahlen war ich gegen Poroschenko. Awakow und ich finden, dass Selenskis Wahlergebnis unser gemeinsamer Sieg ist. Poroschenko hat die Wahl verloren, weil er nicht den TV-Sender ‘1+1’ hatte. Im Februar 2016 wollte Poroschenko den Surkis-Brüdern 25 Prozent am Sender abkaufen. Dann wollte er mit mir verhandeln, damit ich ihm weitere 25 Prozent verkaufe. Die Summe lag bei etwa 250 Millionen.”

Über das Janukowytsch-Regime und den Maidan: “Die Staatsmacht unter Wiktor Janukowytsch hat den Maidan ausgelöst, aber eine Revolution ist immer schlecht. Die Folge des Maidans ist ein Minus von 13 Millionen Menschen – minus Krim und minus Donbass. Andrij Portnow (einstiger Chef der Präsidenten-Administration unter Janukowytsch) ist kein Apolog des Janukowytsch-Regimes, er hat seine Arbeit gemacht. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm. Er hat mit Selenskyjs Team nichts zu tun.”

Über “Bürgerkrieg”: “Im Donbass ist Bürgerkrieg, aber es ist eher ein Bürger-Konflikt. Ukrainer kämpfen gegen Ukrainer. Russland hat das alles provoziert und unterstützt einen Teil der Ukrainer. Wenn das nicht wäre, hätten die Ukrainer untereinander längst Frieden geschlossen. Im Donbass haben wir einen heißen Krieg und im Rest des Landes einen kalten, der sich in Hass und sogar Morden manifestiert, insbesondere an Journalisten wie Oles Busyna und Pawel Scheremet.”

Über die PrivatBank: “Die PrivatBank wurde illegal verstaatlicht. Außerdem hat der Staat den Vertrag über die Verstaatlichung der PrivatBank verletzt: Im Haushalt 2017 wurde die Möglichkeit der Rücknahme von Aktien nicht festgeschrieben. Ich kann die 2,5 Milliarden Dollar für die illegale Verstaatlichung gegen etwas tauschen, vielleicht gegen Anleihen. Man kann auch eine Restitution durchführen: Nimm deines, aber gib uns unser zurück. Überhaupt wurden bei der Bereinigung des Bankenwesens 60 von 80 Banken zu Unrecht geschlossenen.”


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