Am 15. Mai ist der russische Präsident Wladimir Putin am Steuer eines Lastwagens an der Spitze einer ganzen LKW-Kolonne über die neue Brücke gefahren, die über die Meerenge von Kertsch führt und das russische Festland mit der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim verbindet. In der von Russland besetzten Stadt Kertsch sprach Putin vor den Bauarbeitern, was von den russischen Medien landesweit übertragen wurde.

Wie kam es zu dem Bau? Den ersten Auftrag zum Bau einer Brücke über die Meerenge von Kertsch hatte der russische Premierminister Dmitri Medwedew am 3. März 2014 erteilt, als die Operation zur Besetzung der Krim ihren Höhepunkt erreicht hatte. Damals wurde für den Brückenbau eigens eine Aktiengesellschaft gegründet. Beschlossen wurde, eine 19,3 Kilometer lange Brücke zu bauen, die über die Insel Tusla führt. Als wegen der Besetzung der Krim gegen Russland europäische und amerikanische Sanktionen verhängt wurden, war klar, dass es keine privaten Investitionen geben würde. Daher wurden allein die staatliche Verwaltung für Straßenbau “Taman” sowie das Bauunternehmen “Stroygazmontazh”, das Putins Freund Arkadij Rotenberg, gehört, mit dem Bau beauftragt.

Was kostet die Brücke? Mit der Beauftragung von Putin Freunden stiegen auch die Kosten des Bauvorhabens von 28 auf 222 Milliarden Rubel. Die Gesamtkosten der Brücke zusammen mit den Zufahrtsstraßen und Sicherheitssystemen erreichen inzwischen fast 300 Milliarden Rubel (mehr als vier Milliarden Euro).

Nocht nicht fertig und schon eröffnet. Am 16. Mai wurde nur der Teil der Brücke offiziell in eingeschränkter Form eröffnet, der für den Automobilverkehr bestimmt ist. Die parallel verlaufende Eisenbahnbrücke soll im nächsten Jahr fertiggestellt werden. Im Dezember 2018 soll dann die Brücke sowohl für Autos als auch Züge uneingeschränkt befahrbar sein. Dass die Brück nocht nicht fertig ist, zeigt die Tatsache, dass am Tag der Eröffnung auf der Brücke nur eingeschränkter Automobilverkehr herrschte. Erlaubt waren nur PKW und eine Geschwindigkeit von bis zu 90 Stundenkilometer. Die Baupläne sehen allerdings eine Höchstgeschwindigkeit von 120 Stundenkilometer ohne Einschränkungen für LKWs vor.

Verluste für die Ukraine. Im Oktober 2017 wurde über der Fahrrinne durch die Meerenge von Kertsch der Stahlbogen errichtet. Das Brückenelement schränkt aber die Zufahrt von Schiffen ins Asowsche Meer ein. Die Folge ist ein Rückgang des Frachtverkehrs zu den ukrainischen Häfen in Mariupol und Berdjansk. Das ukrainische Infrastruktur-Ministerium schätzt die direkten Verluste auf 500 Millionen Hrywnja jährlich. Die Staatsanwaltschaft der Autonomen Republik Krim, die wegen der Besetzung der Halbinsel durch Russland in Kiew sitzt, beklagt zudem massive Umweltschäden durch den Bau der Brücke, die sich auf mindestens zehn Milliarden Hrywnja belaufen.

Die Reaktion der Ukraine. Der Bau der Brücke war nicht gemäß internationalen Abkommen über die Nutzung der Meerenge von Kertsch mit den ukrainischen Behörden abgestimmt. Die Höhe der Brücke schränkt den Schiffsverkehr erheblich ein. Die ukrainische Führung hat wiederholt gegen den Bau der Brücke protestiert. Außenminister Pawlo Klimkin bezeichnete die Brücke auf Twitter als “Weg ins Nirgendwo” und Präsident Petro Poroschenko fügte hinzu, dass die “Besatzer die Brücke unbedingt brauchen werden, wenn sie die Krim dringend werden verlassen müssen”.

Haltung der EU und der USA. Die Europäische Union und die Regierungen anderer westlicher Länder sind mit der Ukraine solidarisch. Sie erkennen eine Hoheit Russlands über die Krim nicht an. Alle am Bau der Brücke beteiligten Unternehmen stehen inzwischen auf internationalen Sanktionslisten. Einige europäische Länder hatten ihre Unternehmen davor gewarnt, sich am Bau der Brücke zu beteiligen. Das US-Außenministerium verurteilte den Bau der Brücke. “Die Brücke stellt nicht nur einen Versuch Russlands dar, die rechtswidrige Beschlagnahme und Besetzung der Krim zu festigen, sondern behindert auch die Schifffahrt, indem sie die Größe der Schiffe begrenzt, die die Meerenge von Kertsch passieren können. Dies ist der einzige Weg, die Hoheitsgewässer der Ukraine im Asowschen Meer zu erreichen. Wir fordern Russland auf, die Schifffahrt nicht zu behindern”, so das Außenamt.

Wie weiter? Im Auftrag von Präsident Poroschenko wurde beim Schiedsgericht des Seerechtsübereinkommens der Vereinten Nationen eine Petition zum Schutz der Interessen der Ukraine eingereicht, insbesondere im Zusammenhang mit dem Bau der Kertsch-Brücke. Das ukrainische Außenministerium strebt eine Ausweitung der internationalen Sanktionen gegen natürliche und juristische Personen an, die am Bau der Brücke beteiligt sind.


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